Ganz Wien ist eine Tanzfläche: ImPulsTanz 2026
56 Produktionen, 250 Workshops, zwei runde Jubiläen und ein Rathaus voller Beats: Noch bis 9. August verwandelt die 43. Ausgabe des ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival die Stadt in einen sehr schönen Ausnahmezustand. Ein Überblick, leicht verschwitzt.
Ganz Wien ist eine Tanzfläche: ImPulsTanz 2026
Seit 9. Juli läuft die 43. Ausgabe des Festivals, und wie jeden Sommer fühlt sie sich weniger wie eine Veranstaltungsreihe an als wie eine freundliche Übernahme der Stadt: 56 Produktionen in 15 Spielstätten, vom Burgtheater über das Odeon bis ins mumok, darunter zwölf Uraufführungen, 29 österreichische Erstaufführungen, fünf ImPulsTanz Classics und elf Arbeiten der [8:tension] Young Choreographers' Series. Ich habe versucht, den Spielplan wie ein vernünftiger Mensch von vorne nach hinten zu lesen. Ungefähr auf Seite drei habe ich aufgegeben und einfach angefangen, Tickets zu kaufen.

Fokus Südkorea
Der heurige Länderschwerpunkt gehört Südkorea. Eun-Me Ahn, die wohl einflussreichste Choreografin des Landes, fegt Ende Juli mit Post-Orientalist Express durchs Burgtheater – ein opulentes, poppiges Spektakel über all die bunten Bilder, die Ost und West zum Phantasma „Asien" verschmolzen haben. In North Korea Dance im Volkstheater entwirft sie ihre Utopie einer Versöhnung, inklusive Artist Talk in der Roten Bar. Die aus Korea stammende Wiener Künstlerin Hyeji Nam verbindet in MANSHIN in der mumok Hofstallung schamanistische Rituale mit künstlicher Intelligenz. Und wer lieber selbst tanzt: Esther Jeong und He Jin Jang ergänzen den Schwerpunkt mit Workshops – K-Pop inklusive.
Alive, alert, angry
Mein persönliches Herzstück bleibt die [8:tension] Young Choreographers' Series: elf Positionen einer Generation, die – so das Festival – „wach bleibt, reagiert und einfordert". Radikal, verletzlich, dringlich. Mit dabei ist unter anderem die Wienerin Magdalena Forster mit ihrer Uraufführung Echo Body im WUK Projektraum. Gefeiert wird die radikale Re-Generation am 30. Juli bei der [8:tension]-Party in der Roten Bar des Volkstheaters – dem Ort, an dem sich dieses Festival ohnehin jede Nacht selbst über den Weg läuft.
Überhaupt ist die lokale Szene stark vertreten: Silke Grabinger, Akemi Takeya, Christine Gaigg, Olivia Mitterhuemer und mehr. Im mumok, das unter der neuen Direktorin Fatima Hellberg die langjährige Kooperation fortführt, stehen Uraufführungen von Ian Kaler, Philipp Gehmacher, Liquid Loft / Chris Haring und Lisa Hinterreithner am Programm – das Museum als Bühne, mittlerweile eine der schönsten Selbstverständlichkeiten dieses Festivals. Dazu kommt ein Begleitprogramm mit Artist Talks, Christopher Matthews' Ausstellung Photo/Copy/Archive im Odeon und dem LACE-Symposium im PART.

Selber schwitzen (sehr zu empfehlen)
ImPulsTanz wäre nicht ImPulsTanz, wenn man nur zuschauen dürfte. 250 Workshops und Research Projects mit 138 Dozent*innen bringen das Arsenal fünf Wochen lang zum Beben – 16 Departments, von Composition & Repertory bis Jazz, von old way vogue der 1970er mit Aurora Sun Labeija über Brazilian Samba mit Gato de Salto bis Fat Contact mit Gillie Kleiman. Wer sich nirgends anmelden will, tanzt gratis: Public Moves feiert heuer sein zehnjähriges Jubiläum mit kostenlosen Klassen unter freiem Himmel – nach Klagenfurt, Linz und Salzburg nun quer durch Wien, vom MuseumsQuartier bis zum Badeteich Hirschstetten. Das große Fest steigt am 8. August ab 17:00 im Arkadenhof des Wiener Rathauses: sechs Stunden, zehn Dozent*innen, von Contemporary bis Waacking und Voguing.
Und noch ein Jubiläum: Das danceWEB International Scholarship Programme wird 30 – seit 1996 haben 1.700 Stipendiat*innen aus 95 Ländern hier ihre Sommer verbracht. Heuer arbeiten 46 junge Künstler*innen mit Mentor Raja Feather Kelly, seines Zeichens Broadway-Choreograf (A Strange Loop) mit einem erklärten Faible für unbequeme Fragen.
Und danach: ab in die Lounge
Wenn der Vorstellungstag endet, beginnt bekanntlich der eigentliche Teil des Abends. Die Festival Lounge im Burgtheater Vestibül öffnet täglich ab 22:00 mit Live-Konzerten und DJ-Sets, von Sonntag bis Mittwoch sogar bei freiem Eintritt; freitags übernimmt traditionell FM4 die Regie. Der Höhepunkt folgt am 7. August im Rathaus Arkadenhof: erst das Final Workshop Showing bei freiem Eintritt, dann die Party mit DJ und Komponist Awir Leon, DJ Sora, Stéphane Peeps und der Crew rund um Amala Dianor – Battles inklusive.
Noch bis 9. August also. Tickets gibt es auf impulstanz.com und an den Abendkassen jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Ich für meinen Teil habe meinen Kalender aufgegeben und mich dem Festival ergeben. Man findet mich bei Public Moves, Arme in der Luft – diesmal absichtlich.
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