What is porn? Neun Jahre Alternative Porn Film Festival Vienna, und immer noch keine Antwort!

Das Porn Film Festival Vienna holt jedes Jahr Filme aus dem Schlafzimmer ins Kino, mit 300 fremden Menschen nebenan. Ein Gespräch mit den Macher:innen über fairen Porno und die einzige Frage, die sie seit neun Jahren konsequent nicht beantworten.

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What is porn? Neun Jahre Alternative Porn Film Festival Vienna, und immer noch keine Antwort!

Das Porn Film Festival Vienna, kurz PFFV, ist genau das, was der Name verspricht, und gleichzeitig fast nichts davon, was man sich darunter vorstellt. Vier Tage Kino, Workshops, Partys, Diskussionen. Ein Genre, das normalerweise im Privaten verschwindet, zurück auf die Leinwand geholt. Und über allem schwebt eine Frage, die das Festival auf seine Website geschrieben hat und seit der Gründung niemandem beantwortet: What is porn?

What is Porn?

Ich versuche es trotzdem. Was ist denn nun Porno, frage ich die Veranstalter:innen Kurtulmus Yavuz und Hagendorfer Jasmin?

„Die Frage stellen wir seit neun Jahren am liebsten unserem Publikum", sagt die eine Hälfte des Duos und grinst. „Wir beantworten sie nicht. Wir überlassen es den Leuten. Und für uns alle ist es ja auch ziemlich unterschiedlich." „Was ist Porno für dich? Das ist viel spannender." Vielleicht ist genau das der Punkt. Eine Frage, die man nicht beantwortet, zwingt alle anderen, selbst nachzudenken. „Gibt es eine richtige Antwort?", sagt Jasmin noch. „Nein. Vielleicht beantworten wir sie im zehnten Jahr. Vielleicht auch nie."

Festivalleitung Kurtulmus Yavuz und Hagendorfer Jasmin

Porno ist Arbeit

Was die beiden sofort beantworten können, ist die Frage nach dem guten Porno. Und die Antwort ist erstaunlich unsexy: „Ein guter Porno fängt damit an, dass Porno Arbeit ist." Klare Verhältnisse also. Wer wird wie bezahlt, wie steht es um Hygiene, wo wird das veröffentlicht, was wird überhaupt gedreht. „All diese Dinge kann man klar ausmachen und evaluieren. Das macht für mich einen guten Porno aus oder einen fairen, einen ethischen, wie immer du es nennen willst."

300 Fremde, ein Film und die Frage, ob man darf

Was das PFFV von der Couch unterscheidet, ist die Gleichung: ein Film plus zwei- bis dreihundert wildfremde Menschen plus ein abgedunkelter Saal. „Es ist etwas völlig anderes, ob du das zu Hause allein schaust oder im Kino, wo Fremde neben dir sitzen", erzählt Jasmin. „Vor allem beim ersten Mal sind die Leute super nervös. Es wird gekichert, geschaut, ‚darf ich das jetzt?', ‚darf ich mich überhaupt erregt fühlen?'. Da tauchen ganz viele Emotionen auf." Es dauere oft ein paar Minuten, bis sich der Saal beruhige. „Und dann", sagt sie trocken, „kann man sich ja wieder erregen."

Ich muss zugeben, dass mich dieser Gedanke nicht loslässt. Wir konsumieren Sexualität fast immer heimlich, allein, im Inkognito-Tab. Das PFFV macht daraus ein kollektives Ereignis und legt damit beiläufig offen, wie verklemmt wir eigentlich sind, sobald jemand das Licht ein Stück weit anlässt.

Diversität, Geld und der Mainstream, der gar nicht so böse ist

Das politische Anliegen formuliert die zweite Stimme im Raum klar: einen offenen Raum schaffen, in dem sich Leute auf der Leinwand wiedererkennen. „Diversität an Körpern, an Identitäten, an Altersgrenzen — alles, was man sich vorstellen kann." Und gleichzeitig ein bisschen Selbstreflexion anstoßen: Warum schaue ich Porno, wann, und sollte ich dafür eigentlich zahlen?

Bemerkenswert undogmatisch wird es beim Thema Mainstream. Klar, fast vierzig Prozent des Internettraffics seien noch immer pornografisch  „das war übrigens schon mal mehr" , und der alternative Porno könne mengenmäßig nicht dagegenhalten. Aber: „Der Mainstream ist nicht nur schlecht. Wir verteufeln das überhaupt nicht. In vielen Ländern sind die Produktionsbedingungen heute deutlich besser als noch vor einem Jahrzehnt." Auch die große Industrie lerne dazu. Das aus dem Mund eines Festivals, das man gern in die Aktivismus-Ecke stellt.

Redaktion: Nikolaus Linsbichler

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