Artist Feature: Peter Fellner

Peter Fellner macht Mode aus Stickbildern, Häkeldeckchen und Regenschirmen. Seine Ausstellung heißt GLUMPERT, ihr Leitmotiv ist eine Schnecke. Wir haben ihn mittendrin getroffen und über Identität und Zero Waste geredet.

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Artist Feature: Peter Fellner

Artist Feature: Peter Fellner

Wir sitzen mitten in der Ausstellung im OK Linz. Hinter Peter Fellner: ein Haufen Schnecken. Weiter hinten: vier Haufen Material, fein säuberlich sortiert. Bevor es losgeht, klären wir das Wichtigste. Hochdeutsch oder Dialekt? Wir einigen uns auf „so eine Mischung“.

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Wer ist Peter Fellner?

In seiner Arbeit geht es um zwei Dinge: Identität in all ihrer Vielfalt und Nachhaltigkeit. „Identität ist immer eine große Frage“, sagt er. „Sei es queere Identität, neurodivergente Identität oder einfach die Diversität von Identität.“ Das zweite Thema, Nachhaltigkeit, versteht er als Prozess. Ihn interessiert, wie beides zusammenspielt und was sich daraus ableiten lässt.

Was von Westwood bleibt

Bevor er in Linz und Wien landete, war Peter Designassistent bei Vivienne Westwood, für Men's und Women's Wear. Seine Rolle dort beschreibt er so: „Eigentlich alles.“ Technical Sketches, Research, Drapings, was eben anstand.

Mitgenommen hat er vor allem eine Haltung. „Bei Vivienne Westwood ist mir diese rebellische Attitude geblieben“, sagt er. Und das kritische Denken, also die Fähigkeit, zu reflektieren. Wer die Ausstellung sieht, versteht, dass das keine Floskel ist.

Warum ausgerechnet eine Schnecke?

Die Schnecke taucht überall auf. Auf meine Frage, ob sie etwas mit dem Identitätsthema zu tun hat, holt Peter weit aus. Sie steht für die Fluidität von Identität. Für Langsamkeit in der Mode. Für einen Safe Space, eine Schicht zwischen Körper und Welt, als Anspielung aufs Schneckenhaus. Und sie ist wichtig fürs Ökosystem: „Sie räumen quasi die Erde auf.“

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GLUMPERT: Dinge und Menschen, die keiner will

Der Titel ist Absicht. „Die doppelte Wortbedeutung war wichtig für das Konzept“, erklärt Peter. „Einerseits geht es um Gegenstände, die niemand beachtet, andererseits um eine ungeliebte Gruppe von Menschen.“ In diesem Fall ist das eine Referenz auf die queere Community. Abgeleitet ist der Begriff vom Wort „Gelump“ Auf die Idee kam er nicht durch Zufall. Seine Interessen und seine Weltanschauung haben ihn dazu gebracht, tiefer in das Thema einzusteigen.

Das Glumpert selbst liegt hinten im Raum. Vier Haufen, wie Peter und seine Kuratorin sie liebevoll nennen, aus vier Materialien: Stickbilder, Seidentücher, Häkeldeckchen und Regenschirme. Wer genau hinschaut, merkt, dass alles nach Form sortiert ist, kreisrund oder rechteckig. Die Sortierkriterien kommen aus der Spirale der Schnecke, genauer aus der Fibonacci-Folge. Wieder die Schnecke.

Repurpose, nicht Upcycling

An dieser Stelle korrigiert Peter einen Begriff, den ich wahrscheinlich auch falsch verwendet hätte. GLUMPERT ist kein Upcycling und kein Recycling. Die Strategie heißt Repurpose. Kurz erklärt: Das Ausgangsmaterial wird in einen neuen Kontext gesetzt, statt es zu zerlegen oder aufzuwerten. Das Häkeldeckchen bleibt ein Häkeldeckchen, es sitzt nur plötzlich an einer Schulter.

137,5 Grad

Dazu kommt ein Zero-Waste-System, das Peter selbst entwickelt hat. Zero Waste als Prinzip gibt es schon länger. Neu ist, wie er es umsetzt. „Alles, was hier ist, ist ohne Schnittverlust entstanden, direkt durch Drapage“, sagt er.

Als Novice musste ich nachfragen, was Draping heißt. Die Antwort: Man arbeitet an Modepuppen und experimentiert mit dem Material. Wie fällt es, wie bewegt es sich? Statt Schnittmustern also Stoff, der direkt an der Figur geformt wird.

Peters System orientiert sich an der Spiralform der Schnecke, genauer am goldenen Winkel. Das sind exakt 137,5 Grad. Klingt abgehoben, ist es aber nicht: Es ist eine Regel, nach der gefaltet und gelegt wird, damit am Ende nichts übrig bleibt.

Kann man das anziehen?

Die naheliegende Frage: Ist das Kunst für den Schaukasten oder Mode für den Kasten? Beides, sagt Peter. Die Kollektion ist in erster Linie für den Ausstellungsraum gedacht. „Aber klar, man kann es tragen. Es kommt auf die Person an und wie man es präsentieren mag.“ Zusammengehalten wird das Ganze übrigens nicht mit Klammern. Die Teile sind voll funktionsfähig, viel Handarbeit, viel Craftsmanship.

Und was passiert nach der Ausstellung? „Das steht noch ein bisschen in den Sternen. Mal schauen, wo die Schnecke noch so hinwandert.“

Ein Stück weit wissen wir es schon. Die nächste Station ist die Pinakothek der Moderne in München. In einer Gruppenausstellung werden dort Teile von GLUMPERT zu sehen sein.

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Pornstar Martini und Ohrenwackeln

Dann wird es weniger ernst. Sein letzter Screenshot? „Voll langweilig“: die Bestätigung für sein verlorenes Gepäck, das gerade entweder in Hongkong oder in Amsterdam festhängt. In Hongkong war er auf Einladung von Redress, laut Peter der einzige Preis, der sich wirklich mit Nachhaltigkeit beschäftigt. Er war als Alumni Teil der Show.

Wenn Peter ein Cocktail wäre, dann ein Pornstar Martini. Zuletzt gelöscht hat er BeReal, sonst ist er „nicht so der Löscher“. Auf seinem Nachtkastl liegt nichts, weil es kein Nachtkastl gibt. Neue Wohnung, noch keine Möbel. „I'm living on the floor.“

Beim Karaoke-Song bleibt er beim Klassiker: „Unwritten“ von Natasha Bedingfield.

Sein unerwartetes Talent: Er kann mit den Ohren wackeln. Ich wollte das sehen. Es funktioniert.

Auf einen Spritzer würde er mit Keith Haring gehen. Worüber sie reden würden? „Ich glaube, wir würden einfach koexistieren und Cocktails trinken.“ Vermutlich Pornstar Martinis.

Die Schnecke am Baum

Die letzte Frage führt zurück in den Raum, in dem wir sitzen. Vor einigen Jahren lief hier die Ausstellung „Queer Vielfalt liegt in unserer Natur“. Sie zeigte Pinguine, Gänse und Quallen als queere Beispiele aus der Tierwelt. Ziemlich weit hinten hing eine Position, die Peter nicht mehr losgelassen hat: Schnecken, die sich an einem Schleimpfropfen von einem Baum winden und Sex haben.

Ohne sie gäbe es GLUMPERT wahrscheinlich nicht.

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